Fang an

loszulassen, was immer es war, dass dich davon abgehalten hat dich davon zu trennen. Sieh nicht zurück, wenn der Wind deine Erinnerungen fortweht. Geh geradewegs geradeaus und suche das Licht, das dir gefehlt, als du darüber nachdachtest, dem Sog der Veränderung zu entfliehen. Ziehe 4000 Glühwürmchen ein, wenn du über Los kommst und kaufe Bahnhöfe, Häuser, aber bloß keine Hotels. Gewinne Gewinne! Lass aber erstmal den verdammten Balken los.

Der Abend schönt so schön auf, dass dunkles Denken geblendet verblasst. Mondschein sichelt silbern über den wogenden Wipfeln, denen der Wind unentwegt vom elenden Verzweifeln flüstert. Von Ferne, wo Gewalt den Tag zur Nacht macht und Frauen fliehen möchten vor ihren Verbrechern im eigenen Haus. Wo durch Krieg das schützende Dach zerbricht. Wo Kinder gequält ums Überleben kämpfen. Wo Mädchen verkauft wie Vieh.

Wie es gelingt, das Grauen zu ertragen (hier wie dort) im Sonnenuntergang, das allein weiß Gott ist jenes Vergessen, das uns streift, wenn sich der Abend aufschönt, blendet und Hoffnung schenkt auf ein besseres Morgen.

War das wirklich gut, was ich dachte, wie ich bin? Gehen wir langsam, sachte, unaufhaltsam nicht einfach irgendwo hin? Ist das der Plan oder bin ich am Set? Heute gehe ich einen Schritt zurück, morgen wachse ich über mich hinaus. Gestern starb ein Tier – morgen ich, wir. Wer geht zuerst, wer bestimmt? Nimm mich mit, du rasender Wind.

Oscar Wilde

Am Ende sehen wir klar, was war und was vermeidbar war. Doch wären wir jetzt am Ende, wäre das wirklich die Wende? Ein Anfang, dem angeblich ein Zauber inne, in jedem Abgang. Aber wohnt der nicht schon lange unter der Brücke im Wedding, wo Leben einfach endet und sich gar nichts wendet? Leben wie ein Pissestrahl im Schneematsch versickert und keiner glaubt, dass gut wird, was irrlichternd Lebensjahre verraucht? Nein, hier wird ein Ende niemals reiner Neubeginn im Engelsgewand, sondern zur Hölle fahren – schwarz natürlich.

Es sind so Momente, die sich plötzlich ergeben, die mich daran erinnern, wie wir jetzt leben und wie es mal war. Ich streif durch den Rewe und seh die Regale mit Lachs aus dem Nordmeer, die Mango aus Chile, Wein aus Sizilien und wo komm ich jetzt her? Aus ’nem Risikolandkreis, kein Verlassen mehr möglich, die Sehnsucht zu reisen ist dafür unsäglich. So steh ich vor Flaschen aus fernen Regionen und denke an all die Millionen, die so weit weg wie die Sterne da leben in dieser sonnigen Ferne. Stattdessen wander ich durch die Penny-, Netto-, Lidl-Gassen zur Melodie der Laserkassen. Und bevor ich mich hier komplett verliere, greif ich schnell zu – es sind französische Wochen – und kaufe sauteures Zeug zum Kochen. Dazu Pastis aus Marseille, Käse aus der Bourgogne, und ein frisches Baguette – mit all diesen Fremden wird der Abend dann doch noch ganz nett. Und ich höre Musik von den Komoren und ich träume von Weiten. Worüber ich fliege. Auch das kann Freude bereiten.

Warum nicht einfach nur leben? Lieben, lachen, schlafen und n i c h t weiter streben? Kinder wachsen lassen und nicht ständig Ziele ins Auge fassen. Stundenlang träumen, durch Serien zappen, langsam kochen und offiziell Wichtiges ganz einfach versäumen. Leben, um einfach zu s e i n, mit anderen oder allein. Im Flow der Zeit reisen ohne Sorgen – Angst vor Schulden, Haus, Auto und wie finanzier ich mein Morgen? Leben statt Konsum ohne Ende – der Traum vom Pool oder dem neuesten Phone fesselt nur Gedanken und Hände. Warum also nicht einfach nur leben? Nicht ständig nach Höherem streben?Im Job, der reicht, um das zu bezahlen, kommt man mit weniger Stress und Stunden über die Runden. Entspannt in jeden neuen Tag starten, genug Brot, ein warmer Herd, ein Dach, ein Bett –

Zeit, den Winterhimmel zu bewundern

einfach nicht mehr mehr erwarten.