Wir posten Sonnenuntergänge überm See und von Ferien am Meer und – Mist, wir müssten eigentlich viel mehr darüber sagen, was hier wirklich Sache ist. Doch das ist schwer. Wir prahlen mit Schönheit und sehen doch Sterben und wir wissen: Eigentlich ist das alles hier ganz schön beschissen. Nicht nur Rotbauchunke oder Orchideen sind bedroht, es ist ernst, und bald sind wir tot. Staubige Äcker und braune Kiefern, wenn nichts mehr wächst, wer soll dann noch das Essen liefern? Doch als wenn es all das gar nicht gäbe, schnurren die schönen Schnellen mit immer neuen KFZ-Modellen: höher, fetter, Turbosan. Am Abgrund kommt man so auch eher an. Kinder hören 187-Beats und wollen das alles nicht wissen, denn ihre Zukunft scheint ihnen so oder so beschissen. Saufen, kiffen, Tilidin, das ganze Programm, während Greta und die anderen kämpfen, man. Was läuft da schief, warum ist das so? Eltern auf der Überholspur oder abhanden gekommen – wo? Was kommt, will keiner so ganz genau wissen, ist ja eh alles schon so beschissen.
Und hier? Posten wir schöne Bilder von ländlichen Idyllen, die uns in verlogene Romantik hüllen. Jeder fährt Auto, kauft Schuhe im Online-Shop und träumt von Ferien in der Karibik. Als wär das Klima nur im Fernsehn und weg mit einem Off-Klick. Doch wenn ich sehe, wie der Wald stirbt, der See vertrocknet, die Störche verschwinden, man. Fahrt einfach aufs Land und schaut euch mal diese Seite an. Und wir könnten das auch mal auf Fotos zeigen, anstatt immer nur den Kopf vorm Sonnenuntergang zu verneigen.

Nicht Sorge trübte die Sphäre, nur Blühen, Grünen im Gras. So waren wir, was wir so gerne immer gewesen wären – leicht und unbeschwert. Kein Gestern, kein Morgen, so taumelten uns Seinsgleichen hin. Duftlau verführten die Nächte, nicht Schlaf nur Traum stellte sich ein. Tanzend umschwärmten wir Sterne, fassten wir Mut, wir selber zu sein – und wussten – schon bald würde kein Tag je wieder, würde kein Tag je wieder so sein. So versommern die Tage, es fliegt das Sein so gerade, so verdammt pfeilschnell voran. Und nur, um uns an trüben Tagen in nebulös Vergangenem zu wiegen, was dann – blass – Erinnerung heißt.

Wer will hier schon wissen, wo es langgeht UND ob es Sinn macht. Am Strand treten wir hin und her, berühren fremde Spuren und fragen nicht woher, wohin. Sommersandwege im Hier und Jetzt? Führen am liebsten zur Pommesbude. Schön vergänglich.

Wo gehe ich hin, wenn ich in Hamburg bin? In New York? In Templin? Wilhelmshaven? Tel Aviv? Ans Wasser, denn da bin ich zuhause. Also bliebe ich gleich da, wenn da nicht immer wieder diese Sehnsucht wäre, dass es woanders schöner sein könnte, es sich noch mehr nach Zuhause anfühlte. Vielleicht sogar eine zauberhafte Heimat sich entdecken ließe. Doch ist es immer wieder dasselbe: Am Ende sitze ich am Wasser, schaue Möwen oder Milanen beim Segeln zu und bin glücklich.
Zuhause.

Blüten wogendes Beet, duftende Flut, das Bad im Bild des Seins perfekter Pracht betört. Betäubt taumelnd träume ich mich fort wohin die Rosen ragen. Schwere Wolken bringen noch mehr Farbe. Als es zu regnen beginnt auf der Potsdamer Freundschaftsinsel.

Die Tage lösen sich in Luft auf, Stunden verschwinden, Minuten einfach fort, war nicht eben erst Weihnachten? Mit Fotos versuchen wir verzweifelt von der dahinrinnenden Zeit ein bisschen einzufangen, bevor keiner mehr weiß, was da war, vor einer Woche oder einem Jahr. Was war denn da? So könnte es gewesen sein: die Luft ein fliederner Pollentanz, duftend der Kuckucksruf im Dämmern des heranschleichenden Morgens, der ein Blinzeln später im Mittagsschläfchen mündet, wo noch soeben kochendes Spaghettiwasser den Zenit des Tages krönte. Nachmittags mit dem Hund oder dem Kind spazieren, einkaufen oder mal wieder die Ausdauer trainieren, vor allem aber Geld verdienen. So verstreichen wir die Zeit auf großen Stullen, am Abend flackern Filme, der Mond nimmt verlässlich zu- oder ab und zieht mit den Sternen um die Häuser. So ist der Tag, ganz schön und plötzlich vorbei. Die Woche, das Jahr, ein Weg, markiert von Arbeitsabläufen, Tatortabenden, Kochsendungen, Staubmausjagden, Nachrichtenflüssen, Geistesblitzen. Neue Falten auf der Haut ähneln Jahresringen – erworben im Vorüberleben. Angenehm geräuschlos, so ungefährlich wie vergessen.

Auf der Hollywoodschaukel Modell Basel bin ich schön allein. Sie hat mich im Baumarkt eingeladen Platz zu nehmen. Nun studiere ich staunend schaukelnd die Umgebung, lese Gartenliegen- und Polsterpreise, lausche sanfter Supermarktmusik. So versinke ich in Minuten, bade im Zeitüberfluss und keiner, der weiß wo ich bin. Wann hat es das zuletzt gegeben? Ein überwältigendes Gefühl von Freiheit spült mich fort und meint, so könnte es ewig weitergehen. Bis mir die Idee kommt, das alles in Worte zu fassen. Ohne Stift und Heft, dafür mit einem lahmen Einfingertippsystem, wird der gefühlt endlos dauernde Augenblick plötzlich doch wieder knapp. Müssen sich meine Gedankenblitze gedulden und Schlange stehen, bis sie dran sind. Und das mit der Angst, dass jeden Augenblick jemand um die Ecke biegen könnte, der mich kennt. Mich hier sitzen sieht, bei bestem Wetter im Bauch des Baumarktes auf der Hollywoodschaukel Basel, sinnierend über Gott, die Welt, mich und das ganze Schlamassel. Der diesen Zustand entzaubert. In diesem kleinen Ort, wo jeder viele kennt, nicht unwahrscheinlich. Anonym ist es hier sonst nur im Wald.

Auch schön … 

Der Morgen beginnt rosig, zum Schreibtisch ist es nur ein Schritt, eine Runde Frischluft vor dem Frühstück erlaubt. Arbeit hat einen neuen Anstrich und darf gerne dauern. Wer das jetzt liest hat Zeit, den Sternenhimmel zu bewundern, der uns geschenkt, die Blumen mit Namen anzusprechen, die jetzt erblühen, und einen Baum zu umarmen, der Trost verspricht. Wer das jetzt liest, hat Zeit zum Träumen. In Einsamkeit oder zweisam mit sich selbst wuchert dabei ein vages Ahnen. Mein Gott. Die Ruhe vor dem Sturm.

for beginner

Wo ein Irgendnirgendwo die Strippen zieht, den Karren weiterkarrt, wo Schienen im Gesträuch. War da nicht ein Geräusch? Des sachten Anfangs sanften Anklang jagt ein böses Brausen und Geknurr. Doch der Weg folgt stur der Spur. Gewitter folgt auf Sturm, dann reißt der Himmel wieder blau. So geh ich hin

und bin.