… eine Containerladung Zuversicht, einen Berg voll Nichtzurückschauen, eine Meerlänge Mehrmiteinander, Augentrost nach Bedarf und gebe zum Schluss so viel Lieben wie möglich hinzu, vermenge die Zutaten zu einem geschmeidigen Ganzen und verteile es gleichmäßig in einem Kalender. Dann ruhen lassen bis zum 1. Januar. Guten Appetit!

War Weihnachten schöner?

Dieses Mal: ohne zu viel Alkohol auf Weihnachtsfeiern, klebrig süßem Glühwein im Nieselregen, letzte Einkäufe in überfüllten Läden, ohne Adventsmärkte mit selbstgemachten Basteleien, die man natürlich kauft, aber eigentlich hässlich findet, ohne Krippenspiel mit Kindern, die keine Lust haben, ihren Text zu lernen, ohne die Pflicht, mindestens einen Weihnachtsrummel mit peinlichen Jahresendschlagern aus scheppernden Boxen zu besuchen.

Weihnachten in diesem Jahr: stille Nacht, heilige Nacht. Gottes Sohn online, Geschenke. Bitten um Gesundheit, hoffen auf bessere Zeiten. Gemeinsam einsam oder einsam einsam. Ruhe, manchmal fast unheimlich. Am besten: der Stille lauschen und zuhören. Sonnenaufgang um 8 an einem Ufer erleben oder die Dämmerung um 4 mit einem Spaziergang über Land begleiten.

Das kann schöner sein.

Ohnmächtig, vor Sorgen stumm. Das soll nicht Weihnacht werden. Wo Krankheit lauernd einer Schlange gleich mit gierigem Schlund das Maul aufreißt. Möcht ich es stopfen, ersticken, ersäufen und wieder von vorn! Dass sie freigibt, die sie gepackt, der Liebsten, mein eigen Herz und Blut. Dass gesundet, was verwundet: freudvoll schmecken, riechen, atmen frei, gesund der Zukunft zugewandt. So soll das Jahr sich wenden – und enden.

Im Nebelgrau, grau blühen schönste Blüten im Garten der unerfüllten Träume blau. Sprießen Visionen und erhellen Millionen Feuerwerken gleich Ideen die Nacht auf dem Weg der mir zugedacht. Jetzt find‘ ich mich wieder und denk‘ ich mich neu. Heut‘ greif‘ ich nach den Sternen, ohne dass ich es bereu‘. Im Nebel blühen Blüten, Träume, Mythen, das ganze Arsenal. Bleibt nur sich zu entscheiden – welcher Weg, welche Wahl.

Vorbei. Am jüdischen Friedhof sah ich Arme winken, knorriger Äste schattenhaftes Spiel im Schein der versinkenden Sonne. Nebel türmte sich auf wie Tränengas samstags im Leipziger Irrsinn. Schreie schleuderten die Vergangenheit ans Licht. „Wir sind wieder wer!“ Ja wer, was? Millionen Stimmen werden niemals schweigen. Auch heute. Nicht.

Wir posten Sonnenuntergänge überm See und von Ferien am Meer und – Mist, wir müssten eigentlich viel mehr darüber sagen, was hier wirklich Sache ist. Doch das ist schwer. Wir prahlen mit Schönheit und sehen doch Sterben und wir wissen: Eigentlich ist das alles hier ganz schön beschissen. Nicht nur Rotbauchunke oder Orchideen sind bedroht, es ist ernst, und bald sind wir tot. Staubige Äcker und braune Kiefern, wenn nichts mehr wächst, wer soll dann noch das Essen liefern? Doch als wenn es all das gar nicht gäbe, schnurren die schönen Schnellen mit immer neuen KFZ-Modellen: höher, fetter, Turbosan. Am Abgrund kommt man so auch eher an. Kinder hören 187-Beats und wollen das alles nicht wissen, denn ihre Zukunft scheint ihnen so oder so beschissen. Saufen, kiffen, Tilidin, das ganze Programm, während Greta und die anderen kämpfen, man. Was läuft da schief, warum ist das so? Eltern auf der Überholspur oder abhanden gekommen – wo? Was kommt, will keiner so ganz genau wissen, ist ja eh alles schon so besch…..
Und hier? Posten wir schöne Bilder von ländlichen Idyllen, die uns in verlogene Romantik hüllen. Jeder fährt Auto, kauft Schuhe im Online-Shop und träumt von Ferien in der Karibik. Als wär das Klima nur im Fernsehn und weg mit einem Off-Klick. Doch wenn ich sehe, wie der Wald stirbt, der See vertrocknet, die Störche verschwinden, man. Fahrt einfach aufs Land und schaut euch mal diese Seite an. Und wir könnten das auch mal auf Fotos zeigen, anstatt immer nur den Kopf vorm Sonnenuntergang zu verneigen.

Nicht Sorge trübte die Sphäre, nur Blühen, Grünen im Gras. So waren wir, was wir so gerne immer gewesen wären – leicht und unbeschwert. Kein Gestern, kein Morgen, so taumelten uns Seinsgleichen hin. Duftlau verführten die Nächte, nicht Schlaf nur Traum stellte sich ein. Tanzend umschwärmten wir Sterne, fassten wir Mut, wir selber zu sein – und wussten – schon bald würde kein Tag je wieder, würde kein Tag je wieder so sein. So versommern die Tage, es fliegt das Sein so gerade, so verdammt pfeilschnell voran. Und nur, um uns an trüben Tagen in nebulös Vergangenem zu wiegen, was dann – blass – Erinnerung heißt.

Wer will hier schon wissen, wo es langgeht UND ob es Sinn macht. Am Strand treten wir hin und her, berühren fremde Spuren und fragen nicht woher, wohin. Sommersandwege im Hier und Jetzt? Führen am liebsten zur Pommesbude. Schön vergänglich.

Wo gehe ich hin, wenn ich in Hamburg bin? In New York? In Templin? Wilhelmshaven? Tel Aviv? Ans Wasser, denn da bin ich zuhause. Also bliebe ich gleich da, wenn da nicht immer wieder diese Sehnsucht wäre, dass es woanders schöner sein könnte, es sich noch mehr nach Zuhause anfühlte. Vielleicht sogar eine zauberhafte Heimat sich entdecken ließe. Doch ist es immer wieder dasselbe: Am Ende sitze ich am Wasser, schaue Möwen oder Milanen beim Segeln zu und bin glücklich.
Zuhause.